Lagerlogistik optimieren: Prozesse, Systeme, Strategien
, von Stefanie Langhans
Das Wichtigste auf einen Blick
- Lagerlogistik ist ein strategischer Erfolgsfaktor für Effizienz und Kundenzufriedenheit.
- Moderne Systeme und Automatisierung reduzieren Fehler und steigern Transparenz.
- Gezielte Analyse und Optimierung sichern Wettbewerbsvorteile.
- Kennzahlen und kontinuierliche Verbesserung sind entscheidend für nachhaltige Leistungsfähigkeit.
- Qualifizierung der Mitarbeitenden und digitale Kompetenz sichern Zukunftsfähigkeit.
Lagerlogistik ist ein zentraler Bestandteil der betrieblichen Wertschöpfungskette. Sie umfasst die strukturierte Steuerung und Organisation aller Lagerprozesse: vom Wareneingang über die Einlagerung bis zur Auslieferung.
In modernen Unternehmen ist Lagerlogistik nicht länger eine rein operative Notwendigkeit, sondern eine strategische Funktion mit unmittelbarem Einfluss auf Effizienz, Liefergeschwindigkeit und Kundenzufriedenheit.
Unternehmen, die ihre Lagerlogistik systematisch analysieren und gezielt weiterentwickeln, sichern sich Wettbewerbsvorteile: geringere Durchlaufzeiten, niedrigere Lagerkosten und eine höhere Transparenz über den Warenfluss. Die Lagerlogistik ist somit kein statisches System, sondern ein kontinuierlich zu optimierender Bereich.
Inhaltsübersicht:
Was ist Lagerlogistik?
Struktur und Ablauf von Lagerprozessen
Unterschiede zwischen Lagerlogistik und Supply Chain Management
Technologische Entwicklungen in der Lagerlogistik
Kennzahlen zur Leistungsbewertung in der Lagerlogistik
Häufige Schwachstellen und Optimierungsansätze
Nachhaltigkeit in der Lagerlogistik
Kompetenzentwicklung und Qualifizierung in der Lagerlogistik
Lagerarten und ihre Einsatzfelder im Überblick
Einführung eines Warehouse Management Systems: Ablauf und Erfolgsfaktoren
Lagerlogistik im E-Commerce und Omnichannel-Umfeld
Typischer Projektablauf bei Lagerlogistik-Initiativen
Outsourcing und Drittanbieter in der Lagerlogistik
Lagerlogistik professionell gestalten
Was ist Lagerlogistik?
Lagerlogistik bezeichnet die Gesamtheit aller Prozesse, die mit der Lagerung, dem Umschlag und der internen Bewegung von Waren in einem Unternehmen verbunden sind. Sie beginnt mit dem Wareneingang, umfasst die Lagerung, Kommissionierung und Verpackung und endet mit dem Warenausgang.
Ein Beispiel aus der Praxis: Nach dem Wareneingang werden die Artikel geprüft und digital erfasst. Anschließend erfolgt die Einlagerung nach Artikelstruktur und Zugriffshäufigkeit. Bei einer Bestellung werden die benötigten Waren kommissioniert, verpackt und für den Versand vorbereitet. Moderne IT-Systeme unterstützen dabei die Bestandsführung und sorgen für eine effiziente Steuerung der Abläufe.
Die wichtigsten Aufgaben der Lagerlogistik lassen sich in folgende Bereiche gliedern:
- Wareneingang und -prüfung
- Einlagerung und Lagerplatzverwaltung
- Kommissionierung und Versandvorbereitung
- Verpackung und Versand
- Retourenmanagement
- Bestandsführung und Inventur
Struktur und Ablauf von Lagerprozessen
Ein funktionierendes Lagersystem basiert auf einem abgestimmten Zusammenspiel aller Teilprozesse. Der Ablauf beginnt mit dem Wareneingang, bei dem angelieferte Güter geprüft und digital erfasst werden. Anschließend erfolgt die Einlagerung unter Berücksichtigung von Artikelstruktur, Zugriffshäufigkeit und Lagerzonen.
Die Kommissionierung ist einer der aufwändigsten Prozesse in der Lagerlogistik. Hier werden Aufträge zusammengestellt, verpackt und für den Versand vorbereitet. Begleitend läuft die ständige Bestandskontrolle, die durch moderne Systeme automatisiert und transparent erfolgt.
Ziel ist es, alle Schritte möglichst effizient zu gestalten, Fehler zu minimieren und Materialfluss wie Datenfluss nahtlos zu integrieren. Jeder Stillstand im Lager wirkt sich direkt auf die Lieferkette und Kundenzufriedenheit aus.
Unterschiede zwischen Lagerlogistik und Supply Chain Management
Lagerlogistik und Supply Chain Management (SCM) werden oft gemeinsam genannt, haben jedoch unterschiedliche Schwerpunkte. Während die Lagerlogistik sich auf innerbetriebliche Prozesse konzentriert, bezieht sich das SCM auf die gesamte Wertschöpfungskette vom Lieferanten bis zum Kunden.
SCM umfasst die Planung, Steuerung und Optimierung aller externen und internen Lieferkettenprozesse. Dazu zählen Beschaffung, Produktion, Distribution und Informationsfluss. Die Lagerlogistik ist ein Teilbereich dieser Gesamtstrategie. Sie sorgt dafür, dass Materialien im Unternehmen zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort bereitstehen.
SCM denkt also ganzheitlich, während die Lagerlogistik die operative Ausführung innerhalb des Unternehmens übernimmt. Beide Bereiche müssen eng aufeinander abgestimmt sein, um Synergien zu schaffen und Effizienzpotenziale voll auszuschöpfen.
Technologische Entwicklungen in der Lagerlogistik
Die Digitalisierung hat die Lagerlogistik grundlegend verändert. Moderne Lager arbeiten mit Warehouse Management Systemen (WMS), automatisierten Lagersystemen, RFID-Technologie, Pick-by-Light und fahrerlosen Transportsystemen (FTS). Diese Technologien unterstützen eine präzise Steuerung, ermöglichen Echtzeitdaten und Prozessnachvollziehbarkeit und sorgen für geringere Fehlerquoten.
Zudem erlauben cloudbasierte Systeme eine standortübergreifende Steuerung von Beständen und Prozessen. Mithilfe von Business Intelligence Tools lassen sich Kennzahlen in Echtzeit analysieren. So können Engpässe oder Ineffizienzen frühzeitig erkannt und behoben werden.
Automatisierung muss immer auf konkrete Prozessziele ausgerichtet sein. Unternehmen sollten prüfen, welche Bereiche tatsächlich wirtschaftlich automatisierbar sind und wo organisatorische Optimierung mehr Nutzen bringt.
Kennzahlen zur Leistungsbewertung in der Lagerlogistik
Die Effizienz der Lagerlogistik lässt sich durch eine Vielzahl von Kennzahlen objektiv bewerten. Zu den wichtigsten zählen:
- Lagerumschlagshäufigkeit: Gibt an, wie oft der Lagerbestand in einem Zeitraum umgesetzt wird.
- Bestandsgenauigkeit: Misst die Übereinstimmung zwischen Soll- und Ist-Bestand.
- Auftragsdurchlaufzeit: Die Zeit vom Auftragseingang bis zum Versand.
- Fehlerquote in der Kommissionierung: Zeigt die Qualität der Auftragszusammenstellung.
Ein systematisches Kennzahlensystem ist Grundlage für gezielte Verbesserungen. Nur wer seine Prozesse misst, kann sie dauerhaft optimieren und Engpässe beseitigen.
Häufige Schwachstellen und Optimierungsansätze
In vielen Unternehmen zeigt sich, dass Lagerlogistikprozesse historisch gewachsen und selten grundlegend überarbeitet wurden. Die Folge sind ineffiziente Laufwege, unklare Zuständigkeiten oder unzureichend genutzte Lagerflächen.
Häufige Fehlerquellen sind:
- fehlende Prozessdokumentation
- Medienbrücken zwischen IT-Systemen
- nicht integrierte Schnittstellen zu Einkauf und Produktion
- mangelnde Schulung von Mitarbeitenden
Optimierungsansätze reichen von einfachen Layout-Anpassungen über verbesserte Pick-Strategien bis hin zur Einführung intelligenter Lagersoftware.
Ein Beispiel aus der Praxis: Nach der Einführung eines Warehouse Management Systems (WMS) werden alle Artikel digital erfasst und die Lagerplätze systematisch verwaltet. Das System unterstützt die Mitarbeitenden bei der Kommissionierung, indem es den optimalen Lagerplatz und die effizienteste Route vorschlägt.
Dadurch lassen sich Suchzeiten und Fehlerquellen reduzieren, die Bestandsgenauigkeit verbessern und die Nachvollziehbarkeit der Bestände und Materialflüsse deutlich erhöhen. Die konkreten Verbesserungen hängen jedoch stark von den individuellen Rahmenbedingungen und der Umsetzung im jeweiligen Unternehmen ab. Für belastbare Zahlen empfiehlt sich die Auswertung eigener Kennzahlen vor und nach der Optimierung oder die Recherche nach veröffentlichten Fallstudien.
Nachhaltigkeit in der Lagerlogistik
In der modernen Lagerlogistik gewinnt Nachhaltigkeit zunehmend an Bedeutung. Unternehmen stehen vor der Herausforderung, ihre Prozesse nicht nur effizient, sondern auch umweltverträglich zu gestalten. Das betrifft etwa den Energieverbrauch von Lagergebäuden, den Einsatz von Verpackungsmaterialien oder die Optimierung von Transportwegen innerhalb des Lagers.
Maßnahmen wie energieeffiziente Beleuchtung, wiederverwendbare Verpackungssysteme oder CO₂-neutrale Lagerprozesse tragen dazu bei, ökologische Ziele zu erreichen. Nachhaltigkeit ist dabei nicht nur ein Imagefaktor, sondern wirkt sich direkt auf Betriebskosten und Regulierungsanforderungen aus. Eine konsequent nachhaltig ausgerichtete Lagerlogistik zahlt auf Wettbewerbsfähigkeit und Zukunftsfähigkeit gleichermaßen ein.
Kompetenzentwicklung und Qualifizierung in der Lagerlogistik
Mit der zunehmenden Digitalisierung und Automatisierung steigen auch die Anforderungen an die Mitarbeitenden in der Lagerlogistik. Neben physischer Belastbarkeit und Genauigkeit gewinnen technisches Verständnis und digitale Kompetenz an Bedeutung. Moderne Lagerprozesse erfordern den sicheren Umgang mit Scannertechnik, Software-Systemen und automatisierten Anlagen.
Zudem sind Soft Skills wie Teamfähigkeit, Problemlösungskompetenz und Lernbereitschaft essenziell. Die Lagerlogistik entwickelt sich damit auch im Personalbereich weiter: Qualifikation, Weiterbildung und gezielte Personalentwicklung werden zum Erfolgsfaktor für effiziente, flexible und zukunftsfähige Lager.
Lagerarten und ihre Einsatzfelder im Überblick
Die Wahl der richtigen Lagerart hat einen maßgeblichen Einfluss auf Flächennutzung, Prozessgeschwindigkeit und Investitionsbedarf. Je nach Produktstruktur, Umschlagshäufigkeit und Kommissionieranforderungen kommen unterschiedliche Lagertypen zum Einsatz. Klassische Blocklager bieten eine hohe Flächeneffizienz, eignen sich jedoch primär für homogene Artikel mit geringer Zugriffshäufigkeit. Fachbodenlager hingegen ermöglichen schnellen Zugriff auf Kleinteile und bieten eine gute Übersichtlichkeit.
Durchlauf- und Verschieberegale optimieren Pick-Prozesse bei hoher Lagerdichte, während automatische Kleinteilelager (AKL) oder Hochregallager bei großem Volumen und Bedarf an Automatisierung Vorteile bringen. Für dynamische Anforderungen – etwa im e-Commerce – sind Shuttle-Systeme oder AutoStore-Lösungen besonders effizient. Die Lagerart sollte immer im Zusammenhang mit Artikelstruktur, Prozesszielen und Wachstumsprognosen ausgewählt werden.
Einführung eines Warehouse Management Systems: Ablauf und Erfolgsfaktoren
Ein modernes Warehouse Management System bildet das zentrale Nervensystem der Lagersteuerung und vernetzt alle Prozesse von der Einlagerung bis zum Versand. Die Einführung erfordert jedoch weit mehr als nur Softwareinstallation.
Zunächst erfolgt eine detaillierte Anforderungsanalyse: Welche Funktionen werden benötigt? Welche Schnittstellen müssen abgebildet werden? Darauf folgt die Auswahl eines passenden Systems – skalierbar, integrationsfähig und anwenderfreundlich.
Der Einführungsprozess beinhaltet die Datenmigration, Testläufe, Schulungen und ein gestaffeltes Go-live. Entscheidend ist, dass die Prozesse vor der Digitalisierung standardisiert und dokumentiert sind. Zudem sollten Anwender frühzeitig eingebunden werden, um Akzeptanz und Bedienkompetenz sicherzustellen. Ein gutes WMS reduziert Suchzeiten, erhöht Bestandsgenauigkeit und verbessert die Entscheidungsfähigkeit durch aussagekräftige Auswertungen.
Lagerlogistik im E-Commerce und Omnichannel-Umfeld
Der Boom des Onlinehandels hat die Anforderungen an Lagerlogistik grundlegend verändert. Statt großer Aufträge mit festen Lieferfenstern dominieren heute Einzelbestellungen, hohe Volatilität und extrem kurze Reaktionszeiten. Die Lagerlogistik muss sich darauf einstellen: mit fein skalierbaren Kommissionierstrategien, hoher Prozessgeschwindigkeit und reibungsloser Retourenabwicklung.
Besonders gefragt sind Systeme zur Einzelstückverfolgung, schnelle Verpackungslösungen und flexible Lagerlayouts, die eine kurzfristige Skalierung ermöglichen. Omnichannel-Logistik – also die parallele Belieferung von Endkunden, Filialen und Marktplätzen – erfordert darüber hinaus eine intelligente Auftragssteuerung über alle Vertriebskanäle hinweg. Ohne leistungsfähige Lagerlogistik ist diese Vielfalt nicht wirtschaftlich zu bewältigen.
Typischer Projektablauf bei Lagerlogistik-Initiativen
Die Umsetzung eines Lagerprojekts, ob Neubau, Restrukturierung oder Systemeinführung, folgt einem strukturierten Ablauf. In der ersten Phase erfolgt die Analyse des Ist-Zustands: Prozesse, Mengenstrukturen, IT-Systeme, Flächen und Engpässe werden dokumentiert. Die Analyse des Ist-Zustands kann beispielsweise ergeben, dass lange Kommissionierwege die Effizienz beeinträchtigen. Durch eine Umstellung des Regallayouts und die Einführung von Pick-by-Light-Systemen lassen sich diese Wege deutlich verkürzen und die Durchlaufzeiten verbessern.
Darauf aufbauend wird ein Zielbild definiert: Welche Kapazitäten werden benötigt? Welche Technik ist geeignet? Wie sollen Materialflüsse künftig verlaufen?
Nach der Konzeptentwicklung beginnt die Umsetzungsplanung. Dazu gehören die Budgetierung, Zeitplanung, Ausschreibung und Auswahl von Partnern. Die Realisierung erfolgt in Teilschritten – mit klaren Milestones, Testphasen und Abnahmekriterien. Begleitend sind Change-Kommunikation, Mitarbeiterschulung und eine saubere Systemintegration entscheidend. Erst wenn alle Dimensionen zusammenspielen, wird aus dem Projekt ein nachhaltiger Erfolg.
Outsourcing und Drittanbieter in der Lagerlogistik
Nicht jedes Unternehmen betreibt seine Lagerlogistik selbst. Externe Dienstleister – sogenannte Third Party Logistics Provider (3PL) – übernehmen Lagerhaltung, Kommissionierung und Versand als Komplettpaket. Das kann sinnvoll sein, wenn eigene Flächen fehlen, das Mengengerüst stark schwankt oder der Fokus auf dem Kerngeschäft liegt.
Ein professioneller 3PL bringt standardisierte Prozesse, IT-Schnittstellen und Skalierbarkeit mit. Die Zusammenarbeit sollte jedoch vertraglich klar geregelt sein – von Service Level Agreements (SLAs) über Datenschutz bis zu Rücktrittsklauseln. Wichtig ist auch die strategische Einbindung: Ein externer Partner ersetzt keine interne Prozesskompetenz. Deshalb braucht es auch bei ausgelagerter Logistik intern Verantwortliche mit Überblick, Steuerungskompetenz und Schnittstellenverständnis.
Lagerlogistik professionell gestalten
Lagerlogistik ist kein Nebenschauplatz, sondern ein leistungsbestimmender Kernbereich. Wer diesen Bereich strategisch entwickelt, erhöht nicht nur die Leistungsfähigkeit der Abläufe, sondern stärkt zugleich die Wettbewerbsfähigkeit seines Unternehmens.
Entscheidend ist dabei, dass Verbesserungen nicht nur geplant, sondern auch umgesetzt und überprüft werden. Moderne Lagerlogistik beruht auf vernetzten IT-Strukturen, klar definierten Abläufen und einer datengestützten Prozesssteuerung. So lassen sich Fortschritte wie eine erhöhte Bestandsgenauigkeit, verkürzte Durchlaufzeiten oder ein gesteigerter Lagerumschlag nicht nur erreichen, sondern auch objektiv messen und kontinuierlich weiterentwickeln.
Die regelmäßige Analyse dieser Kennzahlen macht die Wirkung von Optimierungsmaßnahmen transparent und ermöglicht es, die Lagerlogistik gezielt als Erfolgsfaktor für die gesamte Wertschöpfungskette zu nutzen.